Uswer14565
Wenn fundiert und respektvoll vorgetragene Kritik hier als „lächerlich“ angesehen wird, frage ich mich allerdings, ob ich in diesem Forum richtig bin.
Ich bin gerade vom iPhone auf das Nothing Phone (3) umgestiegen und erlebe eklatante Softwaremängel. Diese habe ich bereits ausführlich beschrieben – nachdem ich beispielsweise Stunden damit verbracht hatte, eine USB-Datenverbindung zu meinem Mac herzustellen.
Die Auswahl des USB-Modus – „Nur laden“ oder „Datenübertragung“ – wird mir inzwischen überhaupt nicht mehr angeboten. Ich habe es an mehreren Macs und mit mehreren Kabeln versucht. Selbst die dauerhafte Aktivierung der Datenübertragung in den Entwickleroptionen brachte keinen Erfolg.
Da frage ich mich durchaus, welche Qualitätsmaßstäbe bei der Entwicklung gelten und ob die Verantwortlichen ihre Software ausreichend beherrschen.
Zur Unternehmensgröße: Laut LinkedIn beschäftigt Nothing ungefähr 1.000 Menschen. Wenn ich sehe, welche grundlegenden Softwarefehler hier im Forum gemeldet werden, rollen sich mir als Entwickler die Nägel auf. Als tatsächlich behoben oder dauerhaft korrigiert sehe ich dagegen erschreckend wenig.
Wenn ich ein Telefon zum Basteln suche, kaufe ich mir eines, das ich rooten kann, und pimmel mir dort Linux drauf. Bei einem Flaggschiff-Smartphone erwarte ich jedoch, dass die grundlegenden Funktionen zuverlässig und auf höchstem Niveau arbeiten – top of the pop.
Eine ausführlich begründete Kritik als „lächerlich“ abzutun, lässt mich vermuten, dass Sie deutlich mehr Zeit und Geduld für Bananensoftware haben als der Kritiker und ich. Das gönne ich Ihnen vom Herzen. Ich dagegen erwarte Leistung – und zwar mit Nachdruck. Andernfalls werde ich meine Erfahrungen auch außerhalb dieses Forums veröffentlichen, verbunden mit der deutlichen Warnung:
HÄNDE WEG!
Warum? Weil schlecht entwickelte Software ihren Nutzern ständig Lebenszeit stiehlt. Genau das geschieht inzwischen viel zu häufig: Kunden müssen stundenlang Fehler untersuchen und nach Umgehungslösungen suchen, obwohl sie für ein fertiges Produkt bezahlt haben.
Man sollte deshalb durchaus auch den Vorstand fragen, ob dort die richtigen Prioritäten gesetzt werden. Fehler an der Basis sind häufig das Ergebnis von Entscheidungen an der Spitze, gelle?
Unternehmen wären gut beraten, fundierte Kritik ihrer Kunden sehr ernst zu nehmen. Sie ist eine der wertvollsten und kostenlosesten Formen der Unternehmensberatung. Mir ist unerklärlich, wie sehr das aus dem Fokus vieler Unternehmen geraten konnte. Aber wir tragen wohl die Folgen einer shareholdergetriebenen Unternehmenskultur, in der kurzfristige Vermarktung offenbar wichtiger geworden ist als nachhaltige Produktqualität.
Dass große deutsche Technologiekonzerne die Entwicklung eigener Smartphones vollständig verschlafen haben, macht die Situation nicht besser. Sonst hätten wir heute vielleicht eine echte Alternative mit dem Anspruch deutscher Wertarbeit, statt uns mit mangelhaft ausgereifter und auf Masse produzierter Technik zufriedengeben zu müssen.